Zukunftsbilder entwerfen – Welche Instrumente gibt es?

In den letzten Artikeln der Reihe „Navigating Complexity“ ging es um das Wesen des Wandels in der VUCA-Welt und um Handlungsoptionen. In diesem Beitrag werden wir Instrumente vorstellen, mit denen Komplexität und Zusammenhänge transparent gemacht und Zukunftsbilder entwickelt werden können. Durch das Begreifen der Mechaniken und Wechselwirkungen von Veränderung werden der Handlungsbedarf, Handlungsoptionen und neue Wachstumsfelder sichtbar.

Von Dr. Friedhelm Böttcher und Dr. Karl-Michael Schumann

Strategic Mapping – Orientierung durch Visualisierung

Navigationssysteme müssen komplexe Zusammenhänge transparent machen und so vereinfachen, dass das Wesentliche schnell erkannt und verstanden wird. Gleichzeitig muss aber auch sichergestellt werden, dass dabei die relevanten und bestimmenden Verknüpfungen nicht verloren gehen. Strategische Landkarten (Strategic Mapping) [1] als kompakte, visualisierte Darstellungen von komplexen Zusammenhängen bieten hier besondere Möglichkeiten. In der praktischen Arbeit haben sich dabei Innovations- und Trendlandkarten als erfolgreich erwiesen.

Trendlandkarten visualisieren eine Landschaft von bereits wirkenden und noch kommenden Trends und Gegentrends, durch die ganze Industrien und Branchen verändern werden können. Durch die Darstellung der Trendentwicklung entlang einer Zeitachse werden auch Aussagen darüber getroffen, wann bestimmte Trends spürbar werden, und wann sie voraussichtlich ihre maximale Wirkung entfalten werden. Nutzer der Trendlandkarte können für ihr Unternehmen und ihre Branche Schlüsse über die transformativen Entwicklungen ziehen und Maßnahmen rechtzeitig in die Wege leiten.

Grundlage der Trendlandkarte ist ein einfacher Trendkatalog, der regelmäßig über Umfragen unter den Mitgliedern und der weiteren Community unseres Cross-Industry-Netzwerks „future_bizz“ in Verbindung mit Workshops  aktualisiert und individuell an die Unternehmen angepasst wird.

Bild 1: Das Zukunftsbild, das durch die Trendlandkarte aufgezeigt wird, eröffnet Möglichkeiten Schlüsse über transformative Entwicklungen zu ziehen und Maßnahmen rechtzeitig in die Wege zu leiten.

Die Innovationslandkarte erfüllt die Funktion des zentralen Navigationssystems, für das die Trendlandkarte die Grundlage darstellt. Sie enthält …

  • eine Beschreibung der Ist-Situation durch Visualisierung der wichtigsten Assets, der Chancen und Herausforderungen und der Innovationslücke, die die Anforderungen an die Innovationstätigkeit des Unternehmens vorgibt;
  • ein Zukunftsbild, abgeleitet von den für das Unternehmen wichtigen Trends;
  • bezogen auf Potenzial und Innovationsgrad bewertete Wachstumsfelder;
  • eine Roadmap, die aufzeigt, wie das Unternehmen die Chancen der Wachstumsfelder nutzen und die Innovationslücken schließen will.

Die Effektivität und Leistungsfähigkeit eines Navigationssystem ergibt sich aus der Fähigkeit,  die Mitarbeiter des Unternehmens in der Gesamtheit einzubinden, so dass sie kollektiv Veränderungen und Chancen im Markt (und dem weiteren Umfeld) erkennen, gemeinsam Ziele definieren und ihr Handeln so abstimmen. Das Erkennen und Vereinbaren von Prioritäten nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, vor allem in einer Situation, in der die verfügbaren Ressourcen knapp sind und ein permanenter Wettbewerb zwischen dem Tagesgeschäft und zukunftsorientiertem Wachstum besteht. Kollektives Handeln setzt voraus, dass gemeinsame Bilder der Wirklichkeit existieren und diese Bilder über Kommunikation immer wieder aktualisiert werden [2].

Die im Unternehmen geführte intensive Diskussion legt den Erfolg von Navigationssystemen und den Erfolg des Unternehmens insgesamt fest. Gerade hier greifen Landkarten ein. Strategic Mapping verlangt die Diskussion schon bei der Erstellung, aber auch bei Gesprächen an den Karten, die ausgedruckt als Plakate die Auseinandersetzung mit Fragen der zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens anregen. Die Karten werden zu Arbeitsmitteln. Auf Ihnen wird geschrieben und notiert. Sie sind damit Gegenstand der permanenten Veränderungen und machen den Veränderungsprozess transparent.

Bild 2: Die Innovationslandkarte zeigt in zusammenhängender Form Wege zu nachhaltigem Wachstum auf

Es gibt also Wege zu nachhaltigen Wachstum in der sehr komplexen VUCA-Welt. Diese Erkenntnis ist wertvoll. Um das Potenzial dieser Einblicke zu realisieren, muss die Agilität in den Unternehmen gesteigert werden. Wie aber können agile Organisationen realisiert werden? Hierum wird es nächste Woche in einem weiteren Beitrag dieser Serie auf www.futurebizz.de gehen. Wie beurteilen Sie Ihre Möglichkeiten, mit den skizzierten Instrumenten in einer Welt im Wandel zu navigieren? Wir freuen uns auf Ihr Feedback und Ihre Anregungen.

Quellenverzeichnis

[1]    s. hierzu auch: https://www.business-wissen.de/hb/funktion-und-aufbau-einer-strategy-map/
[2]     Weick, K.E.; Sutcliff, K.M.:“Managing the Unexpected“, Wiley,  New Jersey 2015, S.21f

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