Innovatoren teilen ihre Expertise im „Großen Handbuch der Innovationen“ – Eine Buchbesprechung

 „Das große Handbuch Innovation – 555 Methoden und Instrumente“ wurde unter der Mitarbeit versierter Autoren von Benno van Aerssen und Christian Buchholz herausgegeben. Damit teilen Innovationsexperten, -trainer, -coaches sowie  Entwickler für produkt- und datengetriebene Geschäftsmodelle ihre Expertise rund um das Thema Innovieren mit einem größeren Kreis von Fachleuten. Aber auch interessierte Laien finden interessante Informationen. future_bizz hat das Werk unter die Lupe genommen.

Rezension von Dr. Friedhelm Böttcher

So innovativ das Thema ist, so klassisch sind der Aufbau und die Art des Handbuchs. Die Methoden und Instrumente des Innovationsmanagement werden in alphabetischer Reihenfolge nach einem einheitlichen Schema vorgestellt:

  • Position der Methode im Innovationsprozess, sowie eine Verortung im Design-Thinking Ablauf
  • Beschreibung der Methode (Aufgabenstellung, Bedingungen für den erfolgreichen, Leitfragen in Form von Beispielen oder Anregungen, Ergebnisse)
  • Durchführung und Ablauf
  • Faktoren, die den Einsatz der Methode beeinflussen
  • Empfohlene Ressourcen
  • Erfahrungen aus der praktischen Arbeit
  • Weiterführende Literatur.

Die Beschreibung der Methoden ist bewusst kompakt gehalten. Abhängig vom Thema, beansprucht jede Methode zwischen einer und drei Seiten in dem Buch. Dies macht das Handbuch zu einem geeigneten Werkzeug, um sich im höchst komplexen Themenfeld des Innovierens zu orientieren. Womit es eine sehr wichtige Aufgabe erfüllen hilft, denn auch Fachleute sehen oftmals „den Wald vor lauter Bäumen“ nicht.

Suchwege zu den richtigen Methoden

Mit rund 800 Seiten dominiert die Beschreibung der Methoden das Buch. Es wird abgerundet durch eine Zusammenstellung von acht verschiedenen Suchwegen. Diese helfen, die richtige Methode für eine spezifische Aufgabenstellung wie zum Beispiel die  Ideenfindung, Ideenauswahl oder das Prototyping zu finden.

Sehr nützlich ist, dass über die Suchpfade auch Methoden gefunden werden können, um Unterstützung bei typischen Innovationshindernissen zu finden. Diese stehen oft genug der Arbeit von Innovatoren und der Generierung eines besonderen Nutzens im Weg.

Ein kurzer Einleitungstext fasse die verschiedenen Ansätze und Fragestellungen zusammen. Die Komplexität und besonderen Herausforderungen werden herausgearbeitet. Es wird aber auch deutlich gemacht, dass Führung, die Kreativität der Menschen, ihre Offenheit und Haltung wichtige Faktoren sind, die in letzter Konsequenz den Erfolg und die Qualität der Innovationsarbeit bestimmten. Tenor: die Methoden sind ein Hilfsmittel, die Menschen stehen im Mittelpunkt.

Das Buch wird durch eine digitale Plattform ergänzt, die Suchhilfen zur Verfügung stellt. Der umfangreiche, vorgegebene Satz an Suchbegriffen hilft, geeignete Methoden in kurzer Zeit zu finden. Diese Begriffssammlung allein hilft aber auch, viele Einflussfaktoren und Handlungsoptionen zu erkennen.

Ein erweiterter Fokus trägt den neuesten Entwicklungen Rechnung

Sicher steht das Buch in der Tradition der Sammlung von Kreativitätsmethoden an, die vielfach zu finden sind. Dirk Wirth und die Autoren des Handbuchs gehen aber deutlich darüber hinaus. Sie beschränken sich nicht auf Kreativität, sondern zeigen durch ihren Ansatz auf, dass erfolgreiche Innovationen auf mehr als guten Ideen basieren. Sie machen deutlich, dass die erfolgreiche Umsetzung vielmehr auf ein geeignetes Umfeld, Unterstützung durch die Führung und die systematischen Bearbeitung unterschiedlichster Arbeitspakete angewiesen ist.

In der Konsequenz findet der Leser neben der Beschreibung der klassischen Kreativitätsmethoden wie TILMAG oder Ideencluster auch Beschreibungen von weiterführenden Techniken wie die Szenarioentwicklung oder die Gestaltung organisationaler Abläufen wie der Stage&Gate – Prozess. Ebenso werden Ansätze aufgeführt die helfen, innovationsfördernde Haltungen zu entwickeln und das Arbeitsumfeld für die Entwicklung von neuem positiv zu gestalten. Beispiele sind hier die Stichworte wie „Gamification“ oder „Ideenkultur“. Allein diese Fokuserweiterung macht deutlich, wie sich das Innovationsmanagement in den letzten Jahren verändert hat.

Fazit

Das Buch fasst in kompakter Form viele der Publikationen zusammen, die in den letzten Jahren in großer Zahl im Bereich des Innovationsmanagements veröffentlicht wurden. Als Beispiel sei hier nur auf Vilay Kumar‘s „101 Design Methods“ verwiesen. Dies vereinfacht den Umgang mit einer Fülle von Material, der nun in sehr kompakter Form zugänglich wird.

Natürlich werden diese Bücher nicht durch das hier besprochene Handbuch ersetzt. Vielmehr hilft es im Dschungel der Methoden und neuen Konzepte die Übersicht zu behalten, zu Navigieren und für die eigene Aufgabenstellung schnell und gezielt einen konstruktiven Lösungsansatz zu finden. Es sensibilisiert, zeigt Zusammenhänge auf und inspiriert auch beim schnellen Blättern und Lesen. Als Buch von Praktikern für Praktiker hilft es so bei der Planung von Projekten und Workshops, auch wenn es darum geht, auf einfache Weise eigene Routinen und Gewohnheiten zu verlassen und mit vertretbarem Aufwand immer wieder frische Impulse einzubringen.

Die Zuordnung zum Design Thinking und zu den Innovationsphasen, ebenso wie Verknüpfung mit der zugehörigen Onlineseite ist dabei eine sehr gute Unterstützung.

Ein Projekt dieser Art ist ein anspruchsvolles Unterfangen, das vor allem in der ersten Auflage nicht alle Ansprüche perfekt erfüllen kann. Es ist vielmehr als ein erster Meilenstein auf einem weiteren Weg zu mehr methodischer Übersicht zu verstehen. Ein Ansatz, der aufgrund der rapiden Geschwindigkeit der Entwicklungen unumgänglich ist. Einige Kritikpunkte sind:

  • Das ausführliche Navigationssystem zum Auffinden der richtigen Methode ist eine Hilfe, allerdings ist etwas Übung und Ausdauer notwendig, um dieses Instrument zu beherrschen. Die sehr differenzierte Suchhilfe auf der zugehörigen Onlineplattform relativiert diesen Schwachpunkt aber eindeutig.
  • Die Schrift ist sehr klein, was das längere Lesen behindert.
  • Redundanzen durch gleiche oder sehr ähnliche Methoden wie die Begriffe morphologische Matrix und morphologischer Kasten verwirren eher, als das sie nützen. Glücklicherweise handelt es sich hier aber eher um Ausnahmen.
  • Die enge Verknüpfung mit Design Thinking hat sicher Vorteile, führt aber dazu, dass weitere Aspekte des Innovationsmanagements wie die Innovationskommunikation oder die Entwicklung von Innovationsstrategien etwas aus den Augen verloren gehen können.

Zusammenfassend aber ein klares Statement: Das Buch ist eine große Unterstützung für Praktiker und gehört als Standardwerk in die Bibliothek von Innovatoren und den Bereichen in Unternehmen, die sich mit den unterschiedlichen Aspekten von Innovation auseinandersetzen müssen.

 

 

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